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Testbericht: Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreiches

Geschrieben von David Scheuß

Am 23. März 2018 veröffentlichte BANDAI NAMCO Entertainment unter dem Entwickler LEVEL-5 ein neues JRPG Adventure Spiel Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreiches, das als Nachfolger von Ni No Kuni 1: Der Fluch der weißen Königin den Weg der nun erfolgreichen Spieleserie weiter ausbauen soll. Wir haben uns den Titel angesehen und testen damit auch direkt einmal unser neues Bewertungssystem.

Vorwort

Stop! Halt, Moment! Wir wissen, dass der Testbericht locker zwei Monate zu spät kommt. Wir sind uns dessen vollends bewusst und haben diesen Titel absichtlich gewählt, um mit unserem neuen Bewertungssystem eine Jungfernfahrt zu wagen. Daher seht es uns nach, wenn wir nicht gerade Up-to-Date sind. Stellt euch einfach vor, ihr surft mit dem Internet Explorer.

Die Geschichte

NNK2 spielt mehrere hundert Jahre nach seinem Vorgänger und ist daher für Neulinge gut verständlich. Einige wenige Referenzen werden aber mit eingebaut. Das Spiel beginnt mit einer Autokolonne, die auf einer Straße über eine Brücke fährt. In eines der Fahrzeuge sitzt Roland, der hier wohl den Präsident der vereinigten Staaten von Amerika darstellen soll. Namentlich wird es nicht benannt aber die Brücke, die auf eine Stadt zuführt, sieht New York sehr ähnlich und das Wappen im Auto von Roland hat ebenfalls starke Ähnlichkeiten mit dem Wappen der USA. Während die Kolonne über die Brücke fährt, fliegt ein raketenähnliches Geschoss auf die Stadt zu und explodiert in einem gewaltigen Feuerball. Die Druckwelle wirbelt die Autos durch die Gegend und Roland liegt bewusstlos in den Trümmern des Wagens. Ein seltsamer Schimmer umgibt ihn plötzlich und nach einem hellem Lichtimpuls, ist Roland verschwunden.

In einer Kugel aus blauem Licht erscheint Roland in einem Zimmer, in dem auch ein kleiner Junge steht und von der Erscheinung des Präsidenten erschrocken zurückweicht. Es ist Tom Pettiwhisker Tildrum, der König von Katzbuckel, der sich mitten in einer Revolte um seine Herrschaft befindet und dem Roland hilft, aus seinem eigenen Schloss zu entkommen. Sein Vater, König Leonard wurde vergiftet und der böse Ratoleon führt seine Mauß gegen den jungen König, um ihn aus dem Weg zu räumen um selber König von Katzbuckel zu werden. Roland begreift sehr schnell, dass er nicht mehr in seiner Welt ist und beschließt, an der Seite des hintergangenen Königs zu bleiben und ihm zu helfen, sein Königreich zurück zu bekommen.

NNK2 gibt dem Spieler keinen Hauptprotagonisten vor, wir haben aber, da es innerhalb der Story um Evan geht, ihn als Anführer der Gruppe auserkoren. Im Prinzip lässt sich das ändern, beeinflusst aber nicht die Geschichte oder die Cutscenes.

Inhalt

Was könnt ihr in Ni No Kuni 2 denn alles so machen? Um es einmal für euch aufzuzählen: Ihr könnt kämpfen, bauen, regieren, fliegen, schwimmen, suchen, sammeln, schmieden, verbessern, entfluchen, verzaubern, upgraden, ausrüsten, planen und vor allem sehr viel Geld ausgeben (Ingame). Neben der wundervollen Story ist das Kampfsystem wirklich sehr gut gelungen. Mit einer Vielzahl von Waffen und Zaubern könnt ihr euren Gegnern am Boden als auch in der Luft auf die Pelle rücken und somit ihre Schwachpunkte in Erfahrung bringen. Die zweite Kampfform ist der Armeekampf, in der ihr Truppen in Gruppen gegen euren Feind ins Feld schickt. Hierbei könnt ihr allerdings nur vier Gruppen in einem Kampf um euch scharen, während Feinde sich oft mit 30 oder 40 Gruppen euch entgegenwerfen. Auch läuft das leveln hier etwas langsamer und gestaltet sich als weitaus schwieriger. Meiner Meinung nach der schwächste Modus.

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Der stärkste Modus ist jedoch das Gründen eines eigenen Königreiches. Hierbei fangt ihr nämlich mit eurem Schloss an, welches mit über 60 Gebäuden erweitert werden kann, um so ein ganzes Land mit bis zu 100 Bürgern aufzubauen. Von Gebäuden, die Rohstoffe produzieren, bis hin zu Werkstätten für Waffen, Schmieden für Rüstungen, Marktplätzen, Küchen, Instituten und Tempeln ist die Vielfalt beim Bau eures Königreiches geradezu erschlagend. Bisher habe ich eine solche Symbiose aus JRPG und Strategie-Aufbau noch nie gesehen. Tatsächlich funktioniert sie unglaublich gut und ist für mich das stärkste Element in NNK2, da es den Spieler aus der manchmal schnellen Story herausnimmt und entschleunigt. Dann muss sich König Evan um sein Königreich kümmern und sein Reich verbessern. Und seien wir ehrlich. Wir alle lieben Upgrades, Ausbauten und Level aufsteigen.

Die Inhalte sind nicht alle zu Anfang sofort verfügbar, sondern werden mit dem Fortschreiten der Story nach und nach freigeschaltet, was hervorragend funktioniert. Wo zuerst die Welt zu Fuß erkundet werden will, gesellt sich später ein Schiff für Seewege und sogar ein Luftschiff für maximale Erkundigungen hinzu, womit einem nichts mehr in der Welt verborgen bleibt. Ein gesundes Fortschrittsprogramm mit Belohnungen und weiteren Inhalten ist daher hier in Ni No Kuni 2 nahezu perfekt getroffen worden.

Der Auftritt

Der an das Studio Ghibli angelehnte Art-Style verschwimmt nahtlos von Cutscenes, zu Kämpfen und Momenten, in denen ihr die Figur frei bewegt. Damit hebt sich der Nachfolger sichtlich von den Cutscenes von NNK1 ab, dessen Zwischenszenen von klassischen Anime Filmen nicht zu unterscheiden sind. Zunächst hielt ich das als Schwäche, fand aber zunehmend immer mehr Spaß an den toll gezeichneten Charakteren, Landschaften und Lebewesen, welche unglaublich toll aussehen und oft das Gefühl vermitteln, einen Anime Streifen zu schauen, in den ich als Spieler immer wieder eingreifen kann. Die Grafik zeigt sich in der Landschaft von einer enorm guten Seite, da lediglich, Personen und getragene Gegenstände den Anime-Art-Style vorweisen, während Flächen, Texturen und Landschaften in einer schärferen und detaillierteren Grafik gezeigt werden. Leider finden sich zu wenige Gegnerfiguren im Spiel wieder. Es gibt einige Monster, die in anderen Formen immer und immer wieder auftauchen, um eine Varietät von Kreaturen zu simulieren. Hierbei reicht das maue Arsenal von Gegnern leider nicht aus und hätte weiter ausgearbeitet sein sollen.

Die Musik ähnelt der aus NNK1, wirkt aber moderner, neuer und allgemein wie aufpoliert. Für jede Stimmung oder Situationen passt der Sound ausgezeichnet und wirkt weder überspitzt – was bei Animes schnell einmal der Fall sein kann – noch zu mau, als das die Situation nicht auf den Track getroffen sein könnte. Zwar wird nicht jeder Dialog gesprochen, doch in den Cutscenes ist alles mit Stimmen untermalt und abseits der Szenen geben die Spielfiguren, die mit dem sprechen beginnen einen Laut oder ein Wort wieder, welches sehr gut in den Fluß der Geräusche und Gespräche passt. Effektgeräusche passen sehr gut in den Kampf und außerhalb davon. So ziemlich alles, vom Bewegen bis zum Anklicken im Menü, ist audiovisuell gekleidet und wirkt sich positiv auf das Spielerlebnis aus.

Allerdings sehe ich in Ni No Kuni 2 auch den Sound oder besser gesagt die Musik als eines der mit am schwersten wiegenden Negativpunkte für diesen Titel. Für jeden Kampf – bis auf die End- und Minibosskämpfe – spielt sich der einzige Track immer wieder neu ab, was besonders in den freien Arealen schnell auf die Nerven gehen kann, wenn der zehnte Kampf innerhalb von fünf Minuten gefochten wird und immer dieselbe Musik gespielt wird. Auch sind die Titel, die in Städten oder anderen Gebieten abgespielt werden zu kurz geraten, da sich Klangfolgen zu schnell wiederholen. Nach spätestens 20 Minuten Spielzeit kann jeder die Kampfmelodie auswendig vor sich hinsummen.

Dazu kommt die stellenweise grottenschlechte deutsche Übersetzung, die teilweise aus dem Kontext gegriffen zu sein scheint. Zwar ergibt es innerhalb der Story Sinn, jedoch wirken einzelne Sätze stellenweise stark verzerrt und wirr, wenn man parallel dazu die englische Synchro hört. Ich gehe davon aus, dass für die Übersetzung in Deutsch sich an der Original japanischen Sprache orientiert wurde und nicht an der englischen.

Die Menüs und Layouts sehen wirklich hervorragend aus und machen Spaß, bedient zu werden. Die Übersicht in den einzelnen Menüpunkten ist sehr gut gelungen und geht intuitiv von der Hand. Jedes Symbol sieht liebevoll handgefertigt aus, auch wenn einige Fonts und Zeichen aus dem Vorgänger übernommen worden sind. Das einzige, was sich etwas müßig gestaltet war das ständige Menü aufrufen, um danach in die Quests zu klicken um dann im nächsten Tab die Nebenmissionen angezeigt zu bekommen. Für jemanden wie mich, der sowieso erst Nebenmissionen macht, statt sich mit der Storyquests zu beschäftigen, wurde es dadurch etwas anstrengend.

Die Kontrolle

Die Steuerung fühlt sich sehr gelungen an. Die Figur bewegt sich fließend und nicht abgehackt, auch wenn scharfe Richtungen urplötzlich eingeschlagen werden. Innerhalb des Kampfes kann sich entweder mit freier Kamera oder mit einer Fixierung auf ein Ziel bewegt werden. Sprünge und Rollen zum Ausweichen reagieren sofort beim Auslösen der entsprechenden Taste. Lediglich die Third Person Kamera außerhalb des Kampfs lässt sich zwar für den Moment nach oben und unten verschieben, wenn die Maus entsprechend bewegt wird, zieht aber umgehend wieder in die Mitte direkt in den Rücken der Figur zurück, welches nicht unbedingt die beste Ausgangsposition ist. Daher ist ein permanentes Schieben der Maus notwendig, wenn die Sicht zu jeder Zeit perfekt sein soll.

Ni No Kuni 2 zieht den Spieler zu Anfang zwar durch ein festes Szenario mit rotem Faden, um Mechaniken und Spielweisen zu erklären, doch danach steht dem Spieler fast alles offen. Eine große Welt, die frei begehbar ist und den Spieler nur in fehlenden Fortbewegungsmitteln, starken Gegnern oder wichtigen Szenarien, die Schauplätze blockieren, beschränkt. Findet der Spieler auf dem Weg zu einer Hauptmission einen fremden Höhleneingang, kann er zunächst dort herumschnüffeln und dabei sogar anderen Nebenquests lösen oder freischalten. Allerdings werden Orte, die der Spieler in einem zu frühen Stadium der Story aufsucht, mit zu starken Monstern gefüllt, sodass erst einmal keine andere Möglichkeit bleibt, als sich in schwächer befestigte Gebiete aufzumachen.

Podcast hören: Der Lets-Plays.de Podcast

Damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt und zwar der Schwierigkeit von NNK2, die viel zu tief angesetzt worden ist. Das JRPG fordert Casual Gamer und Neulinge zwar zur Genüge, doch für Veteranen spielt sich der Titel zu leicht. Ich bin während meinem Test ein einziges Mal gestorben, allerdings ist die Schwierigkeit stark von der Spielweise abhängig. Da ich, wie schon gesagt, vorher alle möglichen Nebenmissionen gemacht und damit Erfahrungspunkte in Hülle und Fülle und starke Gegenstände eingesackt habe, könnte ich mir vorstellen, dass Spieler, die keinen großen Fokus auf die Sidestorys legen, mehr an den Gegnern der Mainstory zu knabbern haben werden.

Der Titel nimmt den Spieler liebevoll an die Hand und erklärt jede Neuheit mit Tutorials, die sich mit wenigen Sätzen kurz und knapp aber komplett erklärend, durchgelesen werden können. Zwar kann das gerade am Anfang sehr viel davon sein aber auch späteren Verlauf des Spiels, wenn weitere Inhalte freigeschaltet werden können, ist man stets für die sehr hilfreichen Pop-Up Fenster dankbar, da sie sehr leicht verständlich dem Spieler erklären, was nun zu tun ist.

Die Atmosphäre

Die Story hat mich außer zu Beginn vollständig mitgerissen und nach spätestens fünf Minuten war ich mittendrin in Katzbuckel und an der Seite von Prinz Evan, um ihn bei seinen Abenteuern zur Seite zu stehen. Besonders zu Anfang verwirrt das Beleuchten von Roland, der aus wahrscheinlich unseren Welt in die von Ni No Kuni gezogen wird. Dadurch wird der Verdacht laut, dass es hier um Roland geht. Jedoch verfliegt diese Annahme in kürzester Zeit, da Evan mehr und mehr in den Fokus rückt. Ich habe mitgefühlt, gejubelt, gewundert und gewütet und konnte mich zu jeder Zeit voll in die Situation einlassen und darin versinken. Plottwists sind ebenfalls vorhanden und insgesamt ist die Story von Ni No Kuni 2 eine sehr warme und aufrichtige. Die Verantwortung eines Königs, mit allen Problemen, die dazu gehören aus der Sicht eines Kindes erzählt und mit helfender Hand eines erfahrenen Staatsmanns geleitet, finde ich sehr gut getroffen und noch besser erzählt.

Auf seinem Weg trifft Evan hunderte Freunde und Feinde, Gefährten und Widersacher. Die Gruppe ist zwar etwas schmal besetzt und gibt Strategen vielleicht nicht ausreichend Nahrung, um tiefgründige Taktiken durchzuprobieren, allerdings ist dies in NNK2 auch nicht notwendig. Besonder interessant ist später der Teil mit dem eigenen Königreich. Evan nimmt sich dort den Problemen seiner Mitbürger an und versucht ihnen zu helfen. Dabei hat wirklich jede einzelne Person eine eigene Geschichte und einen mal mehr und mal weniger spannenden Hintergrund vorzuweisen. Jede dieser Personen muss durch eine Quest angeworben werden und kann auch als Mitbürger mit Problemen zu Evan kommen. Dadurch ergibt sich eine unglaubliche Vielzahl an möglichen Queststrukturen, die zwar oberflächlich, jedoch individuell gestaltet worden ist. Klar, manch einer braucht nur Gegenstand X, der besorgt werden muss, manch anderer muss durch einen Botengang umgestimmt werden und wieder andere wollen einfach nur bezahlt werden aber auch wenn im späteren Verlauf der Story der Tenor der Questmelodien eintönig wirkt, so kann ich das bei der Vielzahl von Möglichkeiten verkraften.

Die Technik

Technisch gesehen liest sich Ni No Kuni 2 wie eine einwandfreie Doktorarbeit. Sie ergibt ein stimmiges Gesamtbild und ist wunderschön aufgesetzt, untermalt und beschrieben. Von technischen Fehlern ist so gut wie nichts zu sehen. Bugs habe ich persönlich nicht entdecken können. Die Technik hat also einwandfreie Arbeit gemacht und den Titel zu 100% salonfähig machen können. Dazu wird der Spielefluss nicht gestört oder beeinträchtigt. Einen Absturz habe ich bislang auch nicht heraufbeschwören können. Ich bin selber gerade etwas schockiert, dass ich keine Fehler aus technischer Seite an dem Spiel finden kann. Die Engine ist nicht bekannt, jedoch kann ich mir vorstellen, dass hier dieselbe wie von Ni No Kuni 1 genommen wurde, nachdem sie etwas aufgebessert worden ist.

Fazit

Mit knapp 40 Stunden Spielzeit habe ich überdurchschnittlich viel Zeit mit diesem Titel verbracht und muss sagen, dass ich permanent Spaß dabei hatte. Allgemein bin ich ein großer Fan von RPGs. In japanischen Versionen habe ich bisher keinen festen Fuß gesetzt, doch mit Ni No Kuni 2 habe ich einen absolut würdigen Titel gefunden, mit dem ich viel spaßige Zeit verbracht habe und auch noch verbringen werde, da das Spiel nach dem Durchspielen noch Lategame Kontent in Form des eigenen Ausbaus seines Königreiches anbietet. Mit der einzigen Schwäche in Punkto Musik und Kamerafahrt finde ich, hätte das Spiel vielleicht noch ein wenig mehr Zeit bei der Questvielfalt und Tiefe mancher Bürger investieren sollen. Die Story ist nicht besonder lang und für mich hätte sie noch einmal doppelt so lange sein können. Daher finde ich, hat sich Ni No Kuni 2 zu Recht die Medaille für den Gold-Status und Technik verdient. Für unseren ersten Test mit angepasstem Wertungssystem schon eine Ansage, würde ich sagen.

85%

Gold Award

Technik Award

 

 

 

 

 

001

Wertung Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreiches

Wertung Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreiches
8.5

Auftritt

8.1 /10

Kontrolle

8.3 /10

Atmosphäre

8.5 /10

Technik

9.1 /10

Pro

  • Technische Fehlerfreiheit
  • Königreich bauen
  • Geschichte
  • Erklärung im Spiel
  • Offene Welt
  • Lernkurve
  • Charaktere
  • Anime-Style
  • Spannende Kämpfe

Contra

  • Third-Person Kamera
  • Monster-Vielfalt zu wenig
  • Musik zu repetitiv
  • Zu leicht

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