Games Testbericht

Review: Mute Crimson+

Geschrieben von Oliver Baumann

Mit Mute Crimson+ will uns Iced Lizard Games eine Hüpforgie für alle bieten, die eine Herausforderung suchen. Doch macht sie auch Spaß?

Bevor es zur Sache geht noch eines: Ich hatte bevor ich diesen Beitrag schrieb schon Kontakt zum Entwicklerstudio Iced Lizard Games gehabt und mich privat mit ihnen unterhalten. Einiges, was ich von den Entwicklern erfahren habe, wurde auch für dieses Review berücksichtigt. Die Stellen, an denen dies Wissen aufgegriffen wird, sind hoffentlich deutlich genug kenntlich gemacht worden.

Die Sommerferien sind so langsam vorbei und die Sonne macht hin und wieder Platz für ein bisschen Regen. Die perfekten Vorraussetzungen also um daheim im Dunkeln vor dem Bildschirm zu verbringen und Dinge zu zocken. Also Steam geöffnet und dann mal wieder auf zum virtuellen Schaufensterbummel. Die typischen Angebote an DLCs zu AAA-Titeln, bei denen es darum geht seinem Charakter einen neuen Look zu verpassen, wieder mal ein paar dutzend Early Access Games mit Zombies und Crafting, welches voraussetzt, dass man Bäume verprügelt, und dann noch die obligatorischen Indietitel, die im Grunde einfach nur schlechte Mobile Ports sind. Man sieht gewohntes und freut sich, dass die Welt noch in Ordnung ist.

Und dann ist es mir aufgefallen. Mein erster Gedanke war, dass es nur ein weiteres Spiel ist, welches einen auf Retro machen will um die ganzen Nostalgiker zu ködern. Und doch war ich etwas neugierig. Oder vielleicht gerade deswegen. Ich bin ja selbst so ein Nostalgiker, der liebend gerne durch Levels hüpft. Vor mir liegt also ein Plattformer, der an früher erinnern möchte. Da ich durchaus einen guten Plattformer genießen kann, wie der alteingesessene Millionär einen guten Wein, dachte ich mir bei einem Preis von 4,99€ „Ach was soll’s! Vielleicht taugt’s ja was.“. Gesagt, getan. Das Spiel wurde gekauft, installiert und angezockt. Und auch dieses Mal konnte ich es nicht sein lassen und habe mir ein paar Gedanken während ich daddelte dazu gemacht. Wenn ich es jetzt noch schaffe das Spiel und meine Eindrücke dazu zu vermitteln, dann haben wir vielleicht so was wie eine Art Spieletest. Von daher würde ich sagen: Legen wir los!

Um was geht es überhaupt in dem Spiel?

Der Plot ist minimal. In einer Stadt sind plötzlich Monster aufgetaucht und bringen alle um. Die lokalen Schutzkräfte aka Polizei ist schon komplett zerpflückt und die Stadt droht in Schutt und Asche zerlegt zu werden. Doch dem Zufall sei Dank ist in der Nähe ein Dojo. In dem Dojo hockt Ninja. Da Ninja der Name eines Ninjas ist, habe ich auch keinen Artikel vergessen. Alle Figuren in dem Spiel tragen Namen entsprechend dem, was sie sind. So ähnlich wie mit Pokemon. Ninja ist ein Ninja, der erste Boss ist ein Tintenfisch mit dem Namen Squid, der zweite eine Riesenmotte mit dem Namen Moth usw..

Vom Handlungsverlauf her beginnen wir in besagter Stadt und nachdem wir Squid getötet haben folgen wir einer Spur, die in einen Wald führt. So geht es immer weiter bis wir dann irgendwann in einer Paralleldimension sind, in der wir uns dem letzten Boss annehmen. Auf dem Weg bis dahin waren wir außerdem in einem Vulkan, einer Art Militärbasis oder geheimes Labor oder was das sein soll, einer Mondstation und etwas, das eine Art Unterwelt oder auch Hölle sein könnte. Bei dem Plot handelt es sich eher um einen simplen Grund oder auch einer Ausrede warum wir das alles hier durchmachen. Andere Spiele wie Super Mario World, Super Meat Boy und Superman 64 sind allerdings genauso gestrickt. In diesem Fall ist dies auch gar nicht mal so schlimm. Das Spiel hat definitiv keinen Fokus auf die Handlung sondern auf das Gameplay. Und das merkt man auch. Wer Spiele also nur wegen der Handlung Spielen will, dem würde ich Mute Crimson+ nicht unbedingt empfehlen.

Ein Spiel, das herausfordern will

Das Gameplay liegt im Vordergrund. Mag sich erst mal dämlich anhören, aber wenn man sich so einige AAA-Titel wie Bioshock Infinite anschaut, dann merkt man, dass die Aussage doch eine
Daseinsberechtigung hat. Bei Infinite haben wir ein Spiel, dass durch die Handlung und die Erzählweise punktet. Die Shootereinlagen sind dagegen eher mittelmäßig. Bei Mute Crimson+ haben wir das genaue Gegenteil. Es ist ein reiner Plattformer, bei dem die Handlung zur Nebensache wird. Die Entwickler haben sich sogar als eine Art Running Gag die Freiheit genommen in den
Zwischensequenzen die Grammatik in den Textboxen so richtig doll zu verhunzen. Als ich einen der Entwickler darauf ansprach sagte er, dass dies Absicht war um die grottigen Übersetzungen zu NES-Zeiten auf die Shippe zu nehmen. “All your base are belong to us” und “This is happy end” lassen grüßen.

"I don't speak computer, computer. If you are not help me, then we fight."

Früher war nicht alles besser: Die Entwickler nutzen die Tatsache, dass früher nicht so toll
übersetzt wurde, um sich immer wieder einen Scherz zu erlauben.

Es wird gehüpft, gerannt und gelegentlich auch ein Gegner mit dem Schwert halbiert. Dabei nimmt der Schwierigkeitsgrad stetig zu. Wobei wir vor allem ab der vierten Welt immer wieder einzelne Level haben, die in unsere Schwierigkeitskurve Spitzen reinhauen. Im Vergleich zu anderen Indietitel fällt auf, dass es keinerlei Gimmicks gibt. Man muss nicht erst mit Farbspritzern oder einer Taschenlampe die Level sichtbar machen, damit man voran schreiten kann. Es gibt keine eigenartigen Puzzles, die Musik basiert sind. Es gibt überhaupt keine Puzzles oder eigenwillige Mechaniken. Man ist höchstens mal verwirrt, weil man nicht weiß wie man einen Abschnitt meistern soll. Es hat seinen Fokus auf reines Plattforming gelegt. So ähnlich wie auch Super Meat Boy. Die Sprungeinlagen verlangen von einem ein Gefühl für Timing und Präzision. Doppelsprünge müssen genau im richtigen Augenblick durchgeführt werden und wenn man ohne aufzupassen einfach durchrennen will, schickt man den Ninja eher früh als spät ins verderben.

Ein ordentlicher Bosskampf gehört einfach dazu! Umso besser, wenn er von uns alles abverlangt, was wir bis dahin gelernt haben.

Ein ordentlicher Bosskampf gehört einfach dazu! Umso besser, wenn er von uns alles abverlangt, was
wir bis dahin gelernt haben.

Ich muss sagen, dass mir das durchaus gefallen hat. Ich bin aber auch ein Fan des Genres und habe schon einige schlechte Gimmicks hinter mir, die nervig waren oder dazu führten, dass das Spiel
keinerlei Anspruch mehr hatte. Wer sich also leicht frustrieren lässt oder es langweilig findet, wenn neben durchaus anspruchsvollen Sprungeinlagen eher wenig Abwechslung geboten wird, der sollte sich an dieser Stelle vielleicht bei Youtube oder Twitch umschauen um zu schauen ob das Spiel was für ihn ist.
Wer schon den einen oder anderen Plattformer gespielt hat, merkt vielleicht, dass die Steuerung richtig gut umgesetzt ist und das Gameplay sich einfach gut anfühlt. Man ertappt sich vielleicht mal, dass man dem Spiel vorwirft der Ninja sei nicht gesprungen. Das Spiel visualisiert allerdings ganz klar, dass er doch gesprungen ist (beim Doppelsprung tauchen glitzernde Sterne auf). Wenn etwas schief gegangen ist, dann ist man einfach selber schuld. Mag zwar harsch wirken, ist allerdings eine gute Sache. Es gibt so einige Gurken, bei denen die Steuerung ein Graus ist (ich muss da an einen gewissen Igel denken), und Mute Crimson+ zeigt wie man das durchaus richtig machen kann. Und doch muss ich mich an dieser Stelle über eine Sache aufregen: Unser Ninja ist ein ganz toller Klettermeister. Er kann das sogar so gut, dass es als mal frustrierend ist, wenn man an einer Wand hängen bleibt oder ein Wandsprung mal wieder schief geht. Hierfür würde ich gerne noch ein bisschen Verbesserung sehen. Dass man an einem Hinderniss kleben bleibt wie Spiderman, der Sekundenkleber an den Fingern hat, sobald die Hitboxen des Ninjas und des genannten Hindernisses sich gefühlt mit jeweils einem Pixel streifen, sorgt gelegentlich für Frustmomente. Und doch kriegt man das Gefühl, dass das zur Herausforderung gehört und hier der Flame “L2P, Noob!” vielleicht angebracht ist. Warum?

 

Etwas gestellt, kommt aber immer wieder vor: Wer die Füße nicht hoch genug kriegt, bleibt gerne mal an einer Wand hängen.

Etwas gestellt, kommt aber immer wieder vor: Wer die Füße nicht hoch genug kriegt, bleibt gerne
mal an einer Wand hängen.

Die Entwickler haben das Spiel durchaus mit der Hoffnung, dass es zu Speedruns von Mute Crimson+ kommt, konzipiert. Man könnte mir vorstellen, dass “konzipiert” eine Übertreibung sein, dass die Entwickler gerne eine Speedrun-Community um das Spiel sehen würden, dagegen eher nicht. Das einzige was fehlt ist ein Ingame-Timer, wie ihn zum Beispiel Volgarr the Viking hat. Dann wäre es eindeutig. Wie im Disclaimer oben beschrieben, hatte ich ja schon einige Wörter mit den Entwicklern gewechselt. Es kam dazu, weil wir beide zufällig bei einem Speedrun zugeschaut hatten. Während es für den Entwickler wahrscheinlich ein durchaus freudiges Erlebnis war zu zuschauen, wie jemand neue Bestzeiten in dessen Spiel aufstellt (es war nur einer der beiden Entwickler beim Stream dabei), war es für mich einfach nur interessant zu zuschauen. Ich muss auch sagen, dass dieses Spiel meiner Meinung nach eines von denen ist, bei denen ich mir gerne mehr Speedruns anschauen würde. Es macht in gleicher Weise Spaß wie ein Speedrun von Wings of Vi oder ein richtig guter Lauf bei The Binding of Isaac: Rebirth. Eine Sache, die bei Mute Crimson+ dazu beiträgt, dass es für Speedruns so gut geeignet ist, ist die Tatsache, dass es zwar Zyklen gibt, z.B. die Zeitintervalle zwischen denen ein Laser feuert, allerdings gibt es keine Zufallselemente. Der einzige, der einen Lauf kaputt machen kann, ist der Spieler selbst. Wer also sich selbst als Speedrunner bezeichnet oder einer werden möchte, oder einfach nur ein Spiel zocken will, in dem er mit Übung spürbar besser werden kann, für den könnte Mute Crimson+ tatsächlich von Interesse sein. Natürlich solange das Spiel einem allgemein zusagt. Nach so vielen Worten gibt es eine Frage, die ich endlich mal beantworten sollte.

Was kriegt man eigentlich alles für sein Geld?

Oder um es genauer auszudrücken: Was gehört alles zum Spielumfang dazu? Das Spiel hat insgesamt sieben Welten mit einer variablen Anzahl an Levels. Wenn man die
Bosskämpfe mit einrechnet, so sind es insgesamt 57 Levels. Das klingt erstmal nicht schlecht, allerdings ist man besonders in den ersten Welten relativ schnell durch. Wenn man das erste Mal ins
Spiel reingeht kann man so mit 4h Spielzeit bis zum Abspann rechnen. Wenn man die sammelbaren Münzen (pro Level eine) ignoriert, kann man es vielleicht auch in 3h schaffen. Dies sind auch Zeiten, die nach Angaben der Entwicklern einer üblichen Spielzeit für den ersten Durchlauf entsprechen. Um zu verdeutlichen, was bei einem sehr guten Lauf möglich ist, braucht man sich nur eines der Achievements anschauen, welches von einem verlangt das Spiel im Arcade Mode in unter 45 Minuten durchzuspielen. Ich habe mich auch schon an Speedruns versucht und bin noch recht schlecht darin. Ich kann allerdings durch die angeschauten Speedruns und den eigenen Erfahrungen sagen, dass dies mit Übung durchaus machbar ist. Ansonsten gibt es noch die erwähnten Münzen. Diese sind dafür da um zusätzliche Dinge freizuschalten. Und es gibt doch einiges freizuschalten, was besonders dem Wiederspielwert gut tut.
Da haben wir unter anderem folgendes:

  • Mit dem “Boss Rush”-Mode bekommen wir in Mute Crimson+ einen echten Klassiker geboten. Es gilt wie in anderen Spielen auch alle Bosse der Reihe nach zu besiegen.
  • Der “Doom Timer”-Mode bringt einiges an Würze ins Spiel. In diesem Modus wird eine neue Herausforderung geschaffen, indem für jedes einzelne Level ein Countdown läuft. Erreicht dieser 0, dann stirbt der Ninja und man muss es nochmal von vorne versuchen. Hierbei waren die Entwickler allerdings nicht sehr großzügig, so dass man sagen kann, dass es sich hierbei definitiv um einer echte Herausforderung handelt. Wer es schaffen will, muss sich ranhalten.
  • Der Arcade-Mode dürfte die Königsdisziplin darstellen, da dieser der einzige ist, in dem es eine begrenzte Anzahl an Leben gibt. Während man normalerweise an die drei Dutzend Male in einem Level drauf geht, beginnt man das Spiel mit insgesamt 9 Leben. Nach 9 Toden ist das Spiel also vorbei. Als einziges Zugeständnis erhält man ein weiteres Leben nachdem man einen Boss besiegt hat. Für Welt 6 war es nach dem Bosskampf vorgesehen, dass man drei Leben erhält, dies ist allerdings zu dem Zeitpunkt, als dieser Beitrag hier verfasst wurde, auf 1 Leben reduziert. Hier können sich also Erfahrungen vom Bericht abweichen. Es bleibt dennoch: Wer den Modus meistern will, muss einiges auf dem Kasten haben.

Und wem das immernoch nicht reicht, dem geben die Entwickler das original Mute Crimson, welches im März 2011 für XBox Live erschien, kostenlos noch oben drauf. Es macht durchaus Spaß, doch muss man ganz klar sagen, dass das “+” im Titel das Spiel einfach in so ziemlich jeder Beziehung besser macht.

 

Mehr als nur ein Grafikupdate: Wer den Classic Mode spielt merkt schnell, dass sich nicht nur die Optik des Spiels verbessert hat.

Mehr als nur ein Grafikupdate: Wer den Classic Mode spielt merkt schnell, dass sich nicht nur die
Optik des Spiels verbessert hat.

Retro für die Augen und Nostalgie für die Ohren

Der Grafikstil, bei dem die komplette Farbpalette einzig aus Grautönen (inklusive Schwarz und Weiß) sowie einem dunkleren Rotton besteht, hat durchaus was. Es ist dabei nicht verzweifelt mit verpixelter Grafik unterwegs sondern hat sich vom Stil her an den alten NES Spielen orientiert. Anstatt, dass die Augäpfel mit riesigen Klötzchen bombardiert werden, wird gekonnt an alte Zeiten erinnert. Vom Stil her musste ich hierbei an Ninja Gaiden für den NES denken und das nicht nur, weil unser Protagonist ein Ninja ist.
So minimalistisch das Farbangebot ist, umso größer ist die Detailverliebtheit. Im Hintergrund gibt es einiges zu sehen. Nicht nur dass die Landschaften alles andere als karg sind, es ist auch sehr viel animiert. Die Qualität der Animationen erkennt man auch durchaus am Ninja selbst. Ein tolles Beispiel dafür ist die Animation, bei der der Ninja an einem Checkpoint von den Toten mit einem Sprung wieder aufersteht. Wenn er sich an Klettersprossen entlang hangelt, wippt der Körper nicht nur, so dass man auch seine Rückseite mal sieht, es wurde sogar daran gedacht die Schulterblätter kenntlich zu machen. Ein weiteres Beispiel ist der Endboss, der vor lauter Details geradezu aus allen Nähten platzt. Im Gegensatz dazu wirkt es eigenartig, dass reguläre Gegner sowie der Ninja beim Tod längs in zwei Hälften geteilt werden, welche dann noch ein bisschen munter in die jeweils entgegen gesetzte Richtung fliegen. Es ist zwar nicht störend, fällt aber auf. Und was man auch nicht vergessen darf ist, dass es durchaus Stellen gibt, bei denen das Rote nur so fließt. So wie wenn man in Super Meat Boy dank eines Sägeblattes und eines vergeigten Sprungs Meat Boy einmal komplett im Level verteilt. Der Grafikstil ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Und im Indiebereich werden die Begrifflichkeiten „retro inspired“ und „pixel art“ normalerweise immer dann ausgepackt, wenn die Entwickler im grafischen Bereich einfach nichts drauf haben. In diesem Fall muss man allerdings sagen, dass in der Grafikabteilung wirklich jemand hockt, der weiß was er tut. Hier kommt es nun wirklich drauf an ob man mit diesem Grafikstil was anfangen kann. Ich für meinen Teil sage ja.

Da gibt es noch eine Sache, die ich ja nicht vergessen darf. Denn das ist wirklich eine nützliche Information: Es gibt den Colour-blind Mode. Wer also ein Problem
hat Farben zu sehen oder einfach nur blau besser als rot findet, für den ist Hilfe geboten.

 

Rot vs. Blau: Die linke Hälfte zeigt die reguläre Farbgebung. Für Farbenblinde gibt es hingegen einen blauen Anstrich wie man ihn auf de rechten Seite sieht. Der ist ja eigentlich auch ganz schick, wenn man ein derartiges Handicap nicht hat, oder?

Rot vs. Blau: Die linke Hälfte zeigt die reguläre Farbgebung. Für Farbenblinde gibt es hingegen
einen blauen Anstrich wie man ihn auf de rechten Seite sieht. Der ist ja eigentlich auch ganz schick, wenn man ein derartiges Handicap nicht hat, oder?

In der Musikabteilung haben wir das akustische Äquivalent zur Retrografik. Gemeint ist hier ein Soundtrack, der voll auf Chiptune setzt. Und auch hier muss ich wieder sagen, dass es voll und ganz Geschmackssache ist. Bei Chiptune handelt es sich auch noch ausgerechnet um ein Genre, bei dem man die Ohren so richtig vergewaltigen kann. Und ich rede von der gleichen Ohrenwehstufe wie “Blut läuft aus den Ohren”, “Katzen wurden in den Wäschetrockner gesteckt” und “jemand jagt mit einer Gabel über die Kreide” Grausamkeiten. In diesem Fall? Nope. Ich finds super. Dabei gibt es 2 oder 3 Lieder, die es mir besonders angetan haben. Es hat Retrofeeling, auch nach längerer Zeit geht einem die Musik nicht auf denn Keks und von der Stimmung her passen die Musiktitel auch zu den jeweiligen Szenen. Der Musikstil wurde in meinen Augen, oder viel eher Ohren, richtig angewandt. Da es relativ schwer ist Musik objektiv zu kritisieren, würde ich hier auch mal wieder mich ganz uncharmant aus der Affäre ziehen und auf Youtube verweisen. Vor allem den Song zur Welt 7 finde ich super. Als Vergleich dazu hat es im Classic Mode eine Weile gedauert bis ich überhaupt etwas wahrgenommen habe. Und was man da dann zu hören kriegt ist, naja… Sagen wir einfach mal, dass egal ob Gameplay, Grafik, Leveldesign oder Musik die Entwickler einfach alles besser gemacht haben. Wem der Soundtrack gefällt, dem kann ich an dieser Stelle auch noch den Soundtrack-DLC im Steam-Store empfehlen, bei dem 41 Titel für 2,99€ dabei sind. Wo im Spiel allerdings 41 Lieder sein sollen, ist mir nicht ganz klar.

Wem würde ich Mute Crimson+ empfehlen?

An dieser Stelle muss ich sagen, dass Mute Crimson+ bei mir auf den richtigen Nerv getroffen hat. Ich mag, dass trotz Retrografik so viel Detailverliebtheit steckt. Der Soundtrack ist für mich gut und was das Gameplay angeht haben die Entwickler sich sehr stark auf gutes Plattforming konzentriert und es auch gekonnt umgesetzt. Man merkt einfach, dass die Entwickler wussten was sie tun und was sie wollen. Es macht nicht nur Spaß anderen zuzuschauen, wie sie sich der Herausforderung stellen das Spiel zu meistern, ich bin mittlerweile auch leidenschaftlich dabei selbst ein Ninjameister zu werden.
ABER! Und deswegen auch das viele ich, ich, ich: Es trifft auf meinen Geschmack und doch hat es Schwachstellen. Diese Fallen allerdings gering aus im Vergleich zur Tatsache, dass man für diese Art von Spielen einen Faible haben muss. Wer Story in Massen sucht, wird nicht viel finden. Auch ist es kein 60 stündiger Spaziergang. Es ist kompakt und will mehrmals gespielt werden. Wem das zusagt, der wird für sehr wenig Geld ein großartiges Spiel bekommen und kann doch einige Stunden hinein investieren. Allen anderen würde ich empfehlen vielleicht mal bei dem einen oder anderen Youtuber und/oder Streamer vorbei zu schauen um sich nochmal einen Eindruck zu verschaffen.

Mute Crimson+
Mute Crimson+
Entwickler: Iced Lizard Games
Preis: 3,99 €