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Was macht PietSmiet, Gronkh und co. so beliebt? Leserfrage

Geschrieben von Michael Fuchs

Ich bekomme regelmäßig Emails von Lesern, YouTubern und Let’s Playern. Von einfachen Fragen, über Empfehlungen bei YouTube Netzwerken bis hin zu komplizierten Fragen. Ich versuche immer die Fragen best möglich zu beantworten und auch so, dass der, der die Email geschrieben hat, auch damit was anfangen kann. Und wer Lets-Plays.de kennt sowie meine Artikel, der weiß, ich schreibe gerne, was auch nicht immer so war.

Gerade habe ich eine Email bekommen vom Simon aus Aschaffenburg, der hat mich gefragt, was macht PietSmiet, Gronkh und co. so beliebt?

Eine Frage, die inzwischen normal ist. PietSmiet, Gronkh, Sarazar und wie sie alle heißen sind die Speerspitze der Deutschen Let’s Player Szene. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, der stoßt auf diese Namen. Auch große Medien, welche mich leider auch öfters anschreiben, kommen immer wieder daher mit diesen Namen. Bei Medien sparre ich mir aber meist schon die Antwort, schlechte Erfahrungen gemacht aus früheren Zeiten, vor Lets-Plays.de. Ich antworte dann immer höflich, macht eure Arbeit selber und nervt mich nicht. Alternativ biete ich auch an, für diese als Freelancer zu arbeiten, gegen einen netten Stundenlohn. Aber das hat hier ja auch nichts zu sagen.

Und als Vorwarnung, der Artikel wird länger, auch wenn ich noch nicht weiß, wie genau ich ihn schreibe.

Ich versuche mal, die Antwort aus meiner Privaten Person heraus zu beantworten.

Ich bin gelernter Koch, habe auf Kreuzfahrtschiffen wie bei AIDA und TUI Cruises gearbeitet. Bin um die Weltmeere geschippert, habe eine 7 Tages Woche gehabt – der Job ist gut bezahlt, aber “scheiße”. Was macht man also nach einem 12 Stunden Tag? Wenn man zwei Tage im Hafen ist, geht man raus und lässt die sau raus. Perfekt, wenn man dazu auch noch in Bangkok ist. Was macht man aber in seiner Pause? Oder auf hoher See nach der Arbeit? Entweder schlafen oder saufen. Aber irgendwann macht das auch kein Spaß mehr.

Wenn man auf hoher See ist, hat man Internet. Ist per Satellit, ungefähr wie Modem. 6 Euro die Stunde. Für Facebook braucht man schon mal 5 Minuten, bis alles aufgebaut ist. YouTube noch länger und auch nur in der niedrigsten Qualität. Aber es ist was anderes.

Ich war immer schon der Gamer, habe für unterwegs auch einen netten Laptop, der immer noch die Top Games auf den Bildschirm bringt. Nach ner 12 Stunden Schicht, hat man aber keine große Lust noch zu zocken. Zusätzlich hat man eine 2-Mann Kabine und man ist froh, wenn der unter / oberhalb von dir (Stockbetten) gerade keine Freundin hat – macht das mal 4 Monate mit…. Man will also auch nicht laut sein, was der andere wohl nie bedacht hat, um so auch den anderen seine Ruhe zu lassen, muss sich ja konzentrieren – gab dafür auch mal Applaus.

Irgendwann bin ich dann auf YouTube gestoßen, was ich natürlich vorher schon kannte und als ersten Let’s Player auf Gronkh. Wie so viele. Viele schauen Gronkh seine Videos, vor dem Einschlafen. Eine Art, gute Nacht Geschichte. Beruhigend. Beängstigend wenn zwei andere gerade Spaß in der Kabine haben und man Gronkh hört – aber es ist was anderes. Auch weil man kein Deutsches TV rein bekommt.

Mein erster Let’s Player war also Gronkh. Glaub damals hatte er noch irgendwas unter 1 Millionen Abos. Und so hat sich das bei mir aufgebaut. Ich schaute sie nur, da hatte ich noch nicht Lets-Plays.de und wollte es auch nicht machen. Ich schaute also Gronkh, meist nur die Minecraft Folgen – ging per Satellit irgendwie besser. Per Zufall bin ich dann auf PietSmiet gestoßen. 6 verrückte Nougatschnitten, egal was für ein Game die gerade durchmachen – man hat Spaß beim Zuschauen. Und so kam es, dass ich mir regelmäßig PietSmiet und Gronkh auf hoher See angeschaut habe. Das reichte mir aus Abwechslung vom harten Job in der Küche.

Mit meinem YouTube Account habe ich 105 Kanäle abonniert. 45 Let’s Player. Hälfte Deutsch – Hälfte US. Ich schaue nicht alle täglich und bei vielen auch nur einzelne Projekte. Mit der Zeit, dass sind jetzt gute 3 Jahre, habe ich viele Let’s Plays geschaut, kenne viele Let’s Player, haben mit vielen gesprochen. Gronkh habe ich noch abonniert – schaue ich aber kaum noch an, einfach weil sich mein persönlicher Geschmack auch geändert hat. Dafür mehr PietSmiet, aber auch Leute wie DerMentorLP, JeremiahRose und Zweikampfsofa.

Die letzteren sind nicht so groß wie Gronkh oder PietSmiet. Aber für mich haben alle etwas gemeinsam.

Sie unterhalten mich. Wenn ich auf hoher See gearbeitet habe, hatte ich 12-14 Stunden Arbeitstage. 7 Tage die Woche. Für ein halbes Jahr am Stück. Kein Tag frei, kein Wochenende, keine freien Feiertage. Stress Pur. Ich war Chef de Partie (Postenchef) in der Hauptküche. War für die ganzen Fleischgerichte für 6 Restaurants zuständig. Auf einem anderen Dampfer war ich Chef de Partie als Nachtkoch in nem 24-Stunden “Imbiss”. Arbeitszeiten von 20 Uhr bis 8 Uhr früh. Ohne Pause. Täglich.

Ich kenne viele an Bord, die konnten damit nicht umgehen. Es war zu stressig. Man braucht eine passende Abwechslung. Für mich waren das nicht nur der Alkohol (bin kein Suchti :)) und Partys sondern auch Let’s Plays. Man wird aus der realen Welt rausgezogen für eine kurze Zeit.

Man sieht interessante Spiele und hört verrückten Leuten zu. Man wird besser Unterhalten als durch irgendeine Wiederholung im Fernsehen, die schon 10 Jahre quartalsweise durchläuft.

Du meinst vielleicht jetzt – alter, was für einen Mist hat der jetzt geschrieben? Ist es auch vielleicht, mit großer Wahrscheinlichkeit sogar, aber das ist für mich die Haupterklärung, wieso Gronkh, PietSmiet und co. so beliebt sind. Sie unterhalten einen.  Zudem waren sie am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt und sind keine Vollspasten (Ansichtssache). Aber auf das will ich nicht so eingehen.

Denn wie man sieht, ich schaue auch kleineren Leuten gerne zu. Weil sie mich persönlich unterhalten. Deshalb haben sie von mir ein Abo bekommen, deshalb schaue ich gerne regelmäßig vorbei. Klar sind diese nicht so beliebt, wie die großen da oben, aber wenn man Zuschauer gut unterhalten kann – dann hat man was. Denn das braucht man inzwischen.

Qualität bringt inzwischen jeder ne geile daher. Aber wer den Mund nicht aufkriegt beim Reden oder nur Müll quatscht, der Unterhält auch keine Leute. Somit auch weniger Zuschauer, weniger Abos – weniger Erfolgreich. Hat man ein gutes Grundkonzept, weiß was man macht und kann auch Leute unterhalten, die ne 14 Stunden Schicht hinter sich haben und für Weihnachten 2,4 Tonnen Enten gebrutzelt haben – dann ist dies schon ein sehr großer Erfolg.

Wer jetzt einfach runtergescrollt hat, hier meine kurze Antwort auf die Frage, Was macht PietSmiet, Gronkh und co. so beliebt? Sie unterhalten einen. Und jetzt scroll rauf und lies dir den Artikel durch!

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Sebastian
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Sebastian

Netter Artikel, thx!

Michael Fuchs
Gast

Danke 🙂