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Let’s Manifest: Let’s Play ist Kunst?!

Geschrieben von Michael Fuchs

Dieser Artikel stammt vom Foren User MisterMiss und wurde unter dem Namen “Let’s Manifest: Let’s Play ist Kunst?!” in unserem Forum veröffentlicht.

Von PewDiePie bis zu GammelLP_0815_Deluxe: Die Let’s Play Szene wächst nicht nur rapide, sie zeigt sich auch als unglaublich produktiver und kreativer Schmelztiegel unterschiedlichster Schichten und Lebensweisen. Sie ist lebendig und aktiv und generiert einen täglichen Output von tausenden Stunden Videomaterial und unzähligen Posts in Foren. Neue Ideen werden erfunden und erprobt. Das Format ist dabei zur Ausdrucksform auf oft hohem Niveau herangereift.

Doch die Szene geht einer ungewissen Zukunft entgegen. Denn sie leidet unter den Symptomen einer fortschreitenden Mainstreamisierung und der zunehmenden Vermarktung und Einflussnahme durch große Mediengruppen. Die großen Let’s Player stehen unter Generalverdacht, sich von der Industrie kaufen zu lassen, während immer mehr nicht professionelle Let’s Player ihr Heil, angesichts der unglaublichen Flutwelle von Videos, in einer zumeist schlechten Kopie der erfolgreichen Kanäle suchen. Wie bei einem Goldrausch verdienen daran vor allem die großen Plattformen, die die „Goldsucher“ mit den nötigen Werkzeugen versorgen. Sie regulieren und kontrollieren darüber hinaus in letzter Instanz die Veröffentlichung und den Content der Videos.

Es wird Zeit, dass die junge Kunstform Let’s Play aus diesem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis befreit wird. Und zwar noch bevor sie nach einem recht kurzen Leben von der wirtschaftlich orientierten Medienlandschaft zu einem öden Massenprodukt plattgewalzt wird. Es steht hier um die Let’s Play Kunst nicht anders, als um das Theater, die Literatur, die Musik, die bildenden Kunst, das Comic oder jede andere Kunstform. Nur durch eine möglichst große Unabhängigkeit von der freien Wirtschaft kann sie sich kreativ und kritisch entfalten, weiterentwickeln und immer wieder selbst neu erfinden.

Wir brauchen eine Infrastruktur jenseits des freien Marktes. Wir brauchen Förderprogramme, Workshops, Arbeitsstipendien und Plattformen, die ein unabhängiges und bezahltes Arbeiten, ein Reflektieren und Experimentieren der Let’s Play Künstler ermöglichen. Wir brauchen Arbeitsorte, an denen sich Let’s Player direkt und jenseits des Konkurrenzdrucks austauschen können. Und wir brauchen nicht zuletzt Stellen, die diese Förderung koordinieren und diskutieren. Gerade für die ‘großen’ Let’s Player, die Protagonisten der Szene, brauchen wir eine ernstzunehmende Alternative zum freien Markt, die ihnen eine ganz andere Vorbildfunktion jenseits ihrer jetzigen verständlichen wirtschaftlichen Interessen ermöglicht. Wir brauchen eine staatliche Förderlandschaft.

Dieses Ziel ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt reine Zukunftsmusik. So sehr, dass es fast befremdlich ist, es zu formulieren. Doch das macht es nicht weniger erstrebenswert. Im Gegenteil. Eine Förderlandschaft ist denkbar und sie kann erreicht werden. Ihre wichtigste Voraussetzung, und somit der erste Schritt, ist jedoch die Akzeptanz des Let’s Play als Kunstform. Denn erst wenn wir es anderen Kunstformen gegenüber als gleichberechtigt akzeptieren, wird das Let’s Play förderungswürdig.

Es ist daher fundamental wichtig, dass wir endlich anfangen, Let’s Play als das zu benennen, was es ist: Let’s Play ist Kunst.

https://www.youtube.com/watch?v=zLktJNyAqlY

Dieser Artikel stammt vom Foren User MisterMiss und wurde unter dem Namen “Let’s Manifest: Let’s Play ist Kunst?!” in unserem Forum veröffentlicht.

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